Geschichten Ponys Wanderreiten

[TRIP] Mini – Wanderritt zum Tag der Deutschen Einheit

Das war ja überfällig und höchste Eisenbahn, dass das Pony und ich mal allein für ein paar Tage im Wald und auf weiter Flur zu einem Wanderritt verschwinden. Mal mehr oder weniger so ganz mit dem Pony allein sein, #Mädchentraum… Höchstens mal zum Tränken im Dorf halten – ja, das wäre schön! Und so geschah es mehr oder weniger „Hauruck“, dass wir uns zum kurzen Wanderritt entschlossen. Drei Tage, knapp 70 km inklusive Verreiten, zwei Landkreise, Wald, Feld & Flur und alles an Wetter, was es geben kann. Kommst Du ein Stück mit? Dann los…

los

Uns packt der Wahnsinn

Noch am Vorabend brach wie üblich der Packwahnsinn aus („Wo sind die Satteltaschen? Sie waren in der Kommode. Ich schwöre!“). Einen nervös gestürzten Pfefferminztee später: „Vielleicht sind sie doch im Keller.“ Mit Burka-ähnlicher Vermummung gegen Spinnenangriffe ging es in die Katakomben, um – umhüllt von muffigem Geruch – das Gepäckstück, das den Ritt bedeutete, schließlich wie eine Standarte gen Kellerdecke zu heben: Gefuuuunden! Leider hatte sich die sorgsam geschlossene Plastikkiste wohl etwas Freiräume verschafft, wo die Tasche seit mehr als einem Jahr lagerte. Infolgedessen startete auch die Nachtruhe umhüllt vom Kellergeruch. Nun, wir wollten es ja auch drei Tage rustikal, richtig? Dann kann man auch gleich mitten in der Hauptstadt damit beginnen…

Tag 1 – Von Stimmen im Kopf, Apfelpfannkuchen im Mund und Adlerfarn im Maul

Der Aufbruch im eigenen Stall ging zügig vonstatten. Die Pferde stapelten sich sprichwörtlich am Anbinder – offenbar hatten noch weitere Reiter die Idee, besondere Dinge zum langen Wochenende zu veranstalten – aber dennoch ging es mehr oder weniger planungsgemäß los – tatsächlich, OHNE entscheidende Dinge vergessen zu haben. Dafür setzte Regen ein. Man gönnt sich ja sonst nichts. Ein weiterer Moment, wo sich die Idee verfestigte, doch endlich mal ein „About Us“-Video an Jack Wolfskin, Fjällräven und The North Face zu senden, um vielleicht ein paar nützliche Produkte zum Testen abzustauben…

Die ersten zwei Kilometer ging es vorschriftsmäßig zu Fuß neben dem Pony los, um den kalten Rücken aufzuwärmen und die Ponygelenkschmiere anzukurbeln (meine sicher auch…). Donna legte wie immer einen strammen Schritt vor. Noch ahnte sie wohl nicht, dass ihr in den nächsten drei Tagen rund 70 km blühen würden und dieser Ritt zum Teil als Diätmaßnahme gedacht war. Ich habe nämlich festgestellt: Wenn wir ihr nur begeistert von neuen Sophia-Thiel-Videos erzählen, hat das einfach keine direkte Auswirkung – bei ihr und bei mir. Schade eigentlich. Dafür schnaubte sie fein und rhythmisch vor sich hin. Wie immer, wenn ihr etwas unklar ist. Ein zartes Prusten durch die rosa Nüstern. Übersprungshandlung – wahrscheinlich.

Angekommen an der Sitzgruppe am Waldrand, wo ich das Schimmelpony besteigen wollte (und zuvor nochmal Zurrgurte kontrollieren etc.) hörte ich plötzlich eine Frauenstimme. Wanderer? Bei diesem Wetter? Der Blick auf den Hochstand – keiner da. „Ist da wer, hallloooo?“ – keine Antwort. Drei tiefe Atemzüge (Noch kann man umkehren! Ist man psychisch so von den letzten Arbeitswochen mitgenommen, dass die Nummer mit den Stimmen anfängt?)… Es hat doch etwas gedauert, bis klar wurde, dass dies die Dame war, die uns noch drei Tage begleiten sollte: „In 30 Metern rechts abbiegen.“ Outdooractive hatte zu uns gesprochen, die App, welche wir uns in der Nacht zuvor im Schweiße unserer kurzfristigen Planung sogar in einer Premium-Version installiert hatten. Karten gibt es in unserem Haushalt irgendwie keine. Unklar war, dass die Navigation auch über Sprachleitung verfügte. Aber die Anwendung war eigentlich auch teuer genug… :-) Jedenfalls starteten wir die Navigation und fassten recht schnell Vertrauen zu dem GPS-gestützten Ritt, denn die Wegeauswahl war doch recht famos! Einwurf: Zu allen Zubehör-Geschichten wird es noch einen separaten Artikel oder ein Video geben!

So zottelten wir des Wegs, mal nebeneinander, mal ich im Sattel. Zwischenzeitlich setzte immer wieder Regen ein, aber die erste Strecke war ponyfreundlich kurz gehalten. Es ging hier weitestgehend durch Wälder, unterbrochen von der Überquerung des Berliner Autobahnrings A 10 – mitten im Wald. Aber da das Autobahn-Thema bereits beim Anreiten „besprochen“ wurde, ist dieses nur noch mäßig aufregend.

pause

Die erste Graspause war noch etwas unruhig – jeder Windstoß und jegliches Vogelzwitschern (soll im Wald öfter vorkommen) hielten Donna vom Speisen ab. Das ist ungewöhnlich, vergisst sie doch normalerweise bei gedecktem Tisch immer alles um sich herum! Beim Auftrensen musste ich kurz operieren: sie hatte sich einen zarten jungen Trieb Adlerfarn geschnappt und war bereits am Kauen. Mit einem beherzten Griff, den man sonst auch aus der Rektaluntersuchung von tragenden Rindern kennt (nur anatomisch auf der anderen Seite)  fischte ich das giftige Grün aus dem Ponymaul. Offenbar etwas spät, denn die Dame schleppte den restlichen Tag einen leichten Durchfall mit sich herum. Vielleicht war es aber auch nur die Aufregung und nicht der Adlerfarn…

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Unser Ziel an diesem Tage waren die Schwiegereltern meiner Kindergartenfreundin (wobei: da mochten wir uns noch gar nicht. Erst später. Aber so lange kennen wir uns!). Bereits am Vormittag durch Fotos angefixt, bestaunten wir Unterkunft für Mensch und Tier: Bauwagen und Ponywiese davor, genau unser Geschmack! Donna benötigte auch hier eine Zeit, bis sich ihre übliche Gelassenheit einstellte. Offenbar wurden die Pferde in umliegenden Gehöften gewittert, aber nicht gesehen. Unding! Bis dahin schritt und trabte sie ein wenig durch den Garten, während ich von der Hausherrin mit Kaffee und Apfelpfannkuchen verwöhnt wurde. Lecker, so lässt es sich auch bei Regen aushalten!

apfelpfannkuchen

Donna verschmähte leider noch das angebotene, wirklich hochwertige Heu, liess sich aber später zum Grasen neben dem Misthaufen überreden, wo sie auch übernachtete. Rückwärts eingeparkt mit der Kruppe zum Maschendraht des Nachbargartens hielt sie die dort pickenden Hühner wohl für standesgemäße Gesellschaft – so für eine Nacht. Bei Regengeprassel schlief ich – mal früh – im Bauwagen ein. Ich hatte ein etwas schlechten Gewissen, dass Frau Pony den extra für sie ausgeräumten Carport als Nachtgemach ignorierte. Aber sie ist ja schon ein erwachsenes Pony und darf das selbst entscheiden. So!

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Tag 2 – Von langen Galoppaden, Schauern und verlorenen, antiken Gerten

Der nächste Morgen bestärkte nur einmal mehr in wohntechnischen Zukunftsplänen: So ein brömmelndes Pony, was vorwurfsvoll um die Ecke guckt, wenn man die Tür öffnet, ist einfach nur das Allergrößte! *hiersollteeinHerzchenSmileystehen* Es gibt auch einen Videofetzen dazu – vielleicht schaffen wir ja noch ein Mini-Video zum Mini-Ritt?

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Nachdem ich eine kurze Abäppel-Runde über das Grundstück gezogen hatte (ein voller 20l-Eimer) wurde ich von unseren Wanderreit-Gasteltern mit Kaffee und Frühstücksbrötchen verwöhnt. Die einheimischen Tipps zur besten Route im Gepäck, brachen wir gegen 11 Uhr im Örtchen Grünefeld auf. Danke an Iris und Frank für die liebe Bewirtung und unsere Ponyfreundin Sylvia für die Vermittlung! Der romatische Beutel enthielt übrigens trockene Ponybrötchen zum Frühstück… Sooo süß!

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Bereits die ersten Meter nach Verlassen der Ortschaft liessen dem Ponyreiter das Herz höher schlagen. Weiche Wiesenwege und schließlich auch noch der erste frische Aufgalopp (auf Wiese) am Waldrand entlang… findet man nicht mehr an jeder Ecke, bei uns gibt es mehr Wald… Die Ecken wurde zu unserer neuen Lieblingsbeschäftigung genutzt: fliegende Galoppwechsel. Donna hatte zum ersten Mal in unserer gemeinsamen Zeit entdeckt, dass man beim Buckeln auch den Ponykopf zwischen die Vorderbeine stecken kann. Mit etwas energischerer Einwirkung teilte ich ihr mit, dass dies NICHT Bestanteil des Sophia-Thiel-Sportprogramms sei. Sie hat das auch gleich eingesehen. Das ist gar kein Problem bei uns…

aussicht

Wenig später setzte leider wieder der Regen ein – diesmal stärker als vorher und so richtig mit „ich halte unter dem Baum an und ziehe das Cape über“… Schotterweg-bedingt schlurfte ich so die nächsten zwei Kilometer neben dem Pony her, auch um die etwas überfälligen (Bar)Hufe etwas zu schonen. Der erste Schmaus am Waldrand wurde am zweiten Tag schon dankbarer angenommen. Weitergeritten, vorbei am „Nauener Ruheforst“, ging es durch ein langes Waldstück bis nördlich von Bredow-Luch, wo wir weite, abgeerntete Maisfelder überquerten. Genutzt wurde die Chance erst zum Galopp (kann dieses Tier sich strecken…) sowie zum Seitengang: „Schulterherein geht auch bei Sonnenschein!“ Oder: „Bei Sonne ist Travers nicht schwer!“ :-P

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Irgendwo hier habe ich mein Sammlerstück verloren: Eine Springgerte, welche ich mir Anfang der 90er Jahre auf der Pferdemesse Hipplogica gekauft hatte (irgendwie mit sieben oder acht Jahren also…). Sniff. Nicht wertvoll, aber ich habe an ihr gehangen. Irgendwo existiert noch ein Foto, wo ich mit einem Papp-Pferd, dieser Gerte und der alten Gummizug-Kinnband-Reitkappe in meinem Kinderzimmer sitze. Vielleicht treibe ich das beim nächsten Heimatbesuch ja mal auf?

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Man kann dennoch nicht müde werden, diese fluffigen Sandwege zu loben – das Ponyreiterherz schlug höher. Und wir den Bogen wieder zur Route. Um Bredow-Luch herum gelangten wir an den Havelländischen Hauptkanal (oder zumindest einen Ableger davon), welcher erneut einen flotten Ritt gestattete. Schafe und andere Pferde passierend gelangten wir in den Ort Bredow, wo Donna heute bei privat allein übernachten sollte (und ich für diese Nacht zu Hause). Eine große Koppel, Heu, Obst/Gemüse ganz für sie allein – das war nach ihrem Geschmack!

Tag 3 – Von Durchhaltevermögen, wandernden Männern und langen Leitungen

Am nächsten Morgen war wiederum zu 11 Uhr der Abritt angesagt – diesmal bei strahlendem Sonnenschein, welcher sich an diesem Tag auch halten sollte. Am Vorabend hatte ich festgestellt, dass die heutige Strecke 30 km betrug – irgendwie sahen die Teilstrecken auf der Karte alle gleich aus, aber man hätte ja seine App auch mal nach den Distanzen fragen können – nächstes Mal dann. Jedenfalls war Aufgeben ja schließlich keine Option. Vorbei am Dorfanger (erster Erpelschreck am Morgen!) und der gleichen Schafherde wie am Vortag ging es weiter. Zu unserem Entzücken überschnitt sich etwa das erste Drittel der Strecke mit dem Ende des letzten Tages: schön wars, da dies der nahezu abwechslungsreichste Streckenabschnitt war. Ich vergass zu erwähnen, dass Donna vorbeifahrende Regionalzüge gänzlich uninteressant findet, aber Eisenbahn – Unterführungen nur so mittelprächtig. Sie liess sich aber überreden…

am-dorfanger

Das zweite Frühstück erhielt Frau Pony  an der Stelle, wo wir gestern Kaffeezeit einlegten – inzwischen freilaufend, ab einem gewissen Wanderreitfortschritt kann man dies riskieren. Dort entstand auch unser Beitragsbild. Und ab diesem Punkt ging es, unterbrochen von zwei weiteren Graspausen – eigentlich zackig weiter. Auf dem Maisfeld von gestern trafen wir drei wandernde Burschen mit großen Rucksäcken. Diese müssen in Donnas Augen auf einem Maisfeld nichts verloren haben – selbige fielen ihr fast aus dem Kopf (ich weiß offen gestanden nicht warum, selbst die wandernden Laien erkannten das überraschte Tier). Muss wohl am BW-Muster der Rucksäcke gelegen haben, mein Pony kennt wohl meine Bundeswehr-Aversion… Auf Nachfrage hin teilte man uns aber mit, dass die Wanderung privat motiviert sei (ich hatte Kluft-bedingt „dienstlich“ vermutet…). Immerhin. Nach den üblichen Gute-Weg-Wünschen ging es weiter.

Ein langes Waldstück führte uns wiederum vorbei am Nauener Ruheforst bis an den Rand des Ortes Perwenitz, wo wir die A 10 in die umgekehrte Richtung überwanden. Das haben wir nun wirklich: Autobahnen interessieren das Pony einfach nicht. Man kann sie schließlich auch nicht ins Maul nehmen… Im Wohngebiet angekommen schnorrten wir einen Wassereimer, welcher allerdings nur hälftig geleert wurde. Am Fuße des dortigen Fernsehturmes gab es wieder einen Snack, welcher allerdings nicht Donnas Qualitätskriterien entsprach – also zügig weiter. Vielleicht verstrahlt, das Essen, so am Fuß des Fernsehturms…?

Die nächsten Meter sah unser Track einen Radweg vor. Da diesen zu bereiten so unschön (leise Radrennfahrer!) wie verboten (StVO) ist, unternahmen wir einen Schlenk in das angrenzende Waldstück. Die App Outdooractive macht parallele Wege sehr gut sichtbar, so das Ausweichen eigentlich jederzeit möglich ist und man die Orientierung zur grundständigen Route behält. Aber dazu gibt es in einem separaten Beitrag später noch mehr Infos. Zunächst will ich viele Fragen an den Support richten, ob die Premium-Version dieses und jenes wirklich nicht beherrscht oder ob ich noch technische Unterstützung benötige. So…. Dann haben auch gleich andere etwas davon. In jedem Fall sollte man nicht losreiten, ohne einen vollgeladenen externen Akku im Gepäck zu haben. Dieser wurde insbesondere am letzten Tag mehrfach angeschlossen. Es sah ein bißchen aus wie mit einem Herzkatheter: Kabel-Führung von der Bauchtasche (Akku) zur Brusttasche (IPhone…).

kabelsalat

Das letzte Stück durch den Wald in Richtung Oberkrämer (Wansdorfer Oberheide) ist ebenfalls ein absolutes Paradies, was die weichen Waldwege betrifft. Nur leider wurden Donna und ich langsam doch etwas müde und der Hunger schlug zu (man hat auf Wanderrritten eigentlich den ganzen Tag Hunger…). Deswegen legten wir hier einen strammen Schritt an den Tag. Und deswegen auch der Verweis auf folgende Artikel, da das Ritt-Ende ja sozusagen immer der Homerun ist und weniger spannend. Im Stall angekommen bestaunte man anerkennend Donnas Bauchumfang (ja, hatte mir auch gefallen) und nach ungeduldigen Spanischen Schritt – Anwandlungen, wenn nur jemand am Birnbaum schüttelte, wurde sie nach kurzem Hufeglattraspeln in ihre Stutengruppe bei Wasser und Heu entlassen. Und für mich gab es ein Bauernfrühstück am Abend. Zu Hause. Das machen wir mal wieder, so einen Ritt!!!

Frühere Rittberichte aus der Uckermark:

Uckermark-Wanderritt Tag 1

Uckermark-Wanderritt Tag 2

Uckermark-Wanderritt Tag 3

Uckermark-Wanderrritt Tag 4

2 Kommentare

  1. Angelika Engberg

    Liebe Luise, Du hast so nett geschrieben, ich konnte direkt mitreiten und es hat mir sooooo gut gefallen!

    • Luise Gericke

      Liebe Angelika, vielen Dank! Das müssen wir überhaupt mal machen: zusammen auf Wanderritt…! :-)

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