Ausbildung Dressur Ponys Veranstaltungen

Rückblick zur HansePferd

Ein Run nach den Ecole de Légèreté-Veranstaltungen, überraschende Buchschnäppchen und damit geänderte Monatsbuchhaltung (höhö) & ein neidischer Blick auf alle anderen Veranstaltungen … Die Vermutung, dass ein Messetag nicht reicht, bestätigte sich erneut. So eine Menge an Beiträgen, Präsentationen und netten Angeboten! Das war die aller-, allerletzte Messe, welche ich nur eintägig plane. So!

Eindrücke

Die HansePferd ist nicht nur eine sehr „aufgeräumte“ Messe (keine Rumpelstände, zumindest keine marktschreierischen…), sondern hält sich offenbar sehr streng an die selbstauferlegten Zeitpläne in den Veranstaltungen. So kenne ich von der Equitana im Tagesverlauf immer reichlich Zeitverzögerung- dies habe ich hier nicht einmal erlebt. Pünktlich zu halben oder vollen Stunde starteten die Ausbildung- oder Rassepräsentationen, Shows oder Forenbeiträge.

Zur Verteidigung der Veranstaltungen muss ich sagen, dass meine Pferdemessenerfahrung sich auf die Hippologica in Berlin und die Equitana in Essen beschränkt – die Pferd und Jagd in Hannover oder die Partner Pferd in Leipzig stehen im weiteren Jahresverlauf auf dem Programm, bzw. letztere im nächsten. Die Equitana ist in diesem Jahr als Open Air dran. Mal sehen, was diese so bieten- natürlich zweitägig!

Bis auf wenige Ausnahmen ritten die Reiter in den Präsentationen des Ausbildungsringes mit Kappe – noch immer keine Selbstverständlichkeit. Ohne natürlich alle Veranstaltungen beurteilen zu können oder gesehen zu haben, sah ich keine grob geritten oder (für meinen Geschmack) unfachlich präsentierten Pferde (das war bei so einigen Equitana-Beiträgen der Fall und ich fragte mich im letzten Jahr, wie diese wohl ins Programm gekommen sind…). Angenehm fand ich die Outdoor-Übergänge zwischen den Messehallen, wo sich bei dem guten Wetter natürlich alle Besucher zwischen Eis- und Waffelständen tummelten und in der Sonne sassen. Ein schönes Add-on an einem Messetag, welchen man nur im Kunstlicht verbringt!

Es fanden sich erstaunlich viele Marken-Schnäppchen (aber ich benötigte ja nichts, schade eigentlich…). Das kannte ich in dieser Dichte so nicht: meist mischen sich ja Markenangebote zum Normalpreis mit Billigartikel, welche die Haltbarkeit vermissen lassen. Ohne diese alle besitzen zu müssen: ich habe noch nie so viele Joules-, Pikeur, Eskadron- oder ELT-Schäppchen auf einen Haufen gesehen! Ich empfinde die Messe also als einen wirklich guten Tipp für Pferdebesitzer und Reiter, welche den Messeeinkauf gezielt planen und bestimmte Artikel im Blick haben.

Das Programm war sehr gut besetzt – angefangen bei Philippe Karl ritt auch Manuel Jorge Martins de Oliveira, auch Eckhart Meyners, Silke Vallentin oder Johannes Beck-Broichsitter demonstrierten zu verschiedenen Schwerpunkten. Von den tollen Vorträge zu Stallanlagen(Bau), rechtlichen Rahmenbedingungen und Haftung im Reitsport sowie Pferdegesundheit möchte ich noch gar nicht sprechen – die habe ich einfach nicht mehr geschafft… Nächstes Jahr!

Persönliche Highlight

Allem voran steht natürlich Philippe Karl – er und seine Trainer war ja auch meine Motivation zum Messebesuch. Sein Beitrag im Kompetenzforum war keine reine Präsentation – er forderte das Publikum auf, Fragen an die Schule und den Ansatz zu stellen bzw. ein reiterliches Problem zu schildern. Ich habe ja nun mit allem gerechnet, aber damit nun nicht… Chance verpasst vor lauter Ehrfurcht, ein aktuelles Ausbildungsthema des Donna-Ponys zu besprechen… Letztlich kam die Besitzerin eines Trabers zu Wort (vielleicht war dies auch gestellt, denn die Frage passte natürlich wie Faust aufs Auge, um den methodischen Ansatz der EdL zu erläutern). Sie schilderte das Problem, dass das Pferd in allen Gangarten „rennt“. Der Versuche, ein Jahr lang am hingegebenen Zügel zu reiten, um es nicht zu stören, war nicht zielführend. Karl beschrieb anhand des Falles seine Annahme, wie kontraproduktiv sich ein tüchtiges „Vorwärtsreiten“ (in der Annahme, das Pferd fange an, langsamer zu werden oder gar Last aufzunehmen) ausfallen würde. Dafür sind Ansätze wie Abkauübungen, Seiten- und Übergänge (alles zuerst zum Boden aus) und mehr geeignet, um das Pferd zum einen zum „Zuhören“ zu motivieren, aber nach und nach gezielt Last auf die Hinterhand und das Pferd somit insgesamt in höhere Balance zu bringen. Nur aus einer höheren Kopfhaltung ist eine Gewichtsverschiebung in Richtung Hinterhand überhaupt möglich. Erst dann empfiehlt er, die Dehnungshaltung wieder gezielt abzurufen bzw. dem Pferd anzubieten – vorher würde dies immer wieder zu einem „Wegrennen“ führen.

Die Dolmetscherin Ilka Flegel, selbst Schülerin von Karl, verdient Respekt. Wenn Karl sich warmreferiert, ist das Übersetzen sicher kein Vergnügen (einmal ein strenger Griff an seinen Unterarm, um das Tempo seiner Ausführungen zu mäßigen – es hielt nicht lange ;-)…). Häufig frage ich mich, ob man es nicht besser lässt – Karl spricht ein so putziges Englisch, was der durchschnittsschulgebildete Reiter eigentlich verstehen sollte. Wobei: es wird wohl jeden, der zu lange zuhört, sowohl grammatikalisch als auch in in der Aussprache ruinieren … Also an alle, welche das Abitur noch vor sich haben: Ohrenschützer :-) Nichtsdestotrotz ist das Übersetzen ein schöner Service – und ich kenne eigentlich niemanden ausser die EdL, der dies so konsequent betreibt.

Eine weitere Frage noch zu Beginn bezog sich auf eigene Souveränität des Reitersitzes und die Ausbildung eines jungen Pferdes – und wie dieses zusammenpasst. Klare Botschaft: Wer ein junges Pferd ausbilden möchte und Sitzdefizite feststellt, müsse zunächst auf anderen Pferden Stunden nehmen. Auf Sitzfragen wurde nicht eingestiegen – Karl verwies hier auf einschlägige, hervorragende Ausbilder, welche sich genau mit diesem Thema befassen. Manch einer mag die Antwort vielleicht als Arroganz oder Verkürztheit empfinden. Für mich passt diese genau zu der Klarheit, Präzision und Unaufgeregtheit; aber eben auch Festlegung, die Karl für mich verkörpert. Und: er hat Recht. Es gibt der Ausbilder ausreichend, von denen man dies lernen kann – er setzt in seiner Lehre schlicht andere Schwerpunkte, welche einen soliden Sitz zwingend voraussetzt, aber nicht explitzit zum Gegenstand macht. Dies spürt man an schwächeren Tagen ja immer wieder selbst und deutlich… :-)

Am Nachmittag ritten Phillippe Karl und fünf seiner europäischen SchülerInnen zur Demonstration zunächst eine Lösungsphase, dann aber auch anspruchvollere Lektionen. Unter anderem dabei war Christiane Horstmann, bei welcher ich schon einmal das Glück einiger Stunden hatte und heute mit ihrer Tochter Sophie trainiere. Pausen zum Nachdenken für die Pferde fanden Platz – auch mitten in der Demonstration. Ausnahmsweise mal nicht verächtlich als „der mit der hohen Hand“ betitel, gab es tatsächlich Standing Ovations für diese fein gerittene Vorführung – die Reiter mussten ein weiteres Mal die Arena betreten. Nackenschauer…O-Ton zweier jugendlicher Mädchen hinter mir auf der Tribüne: „Eigentlich weiß ich überhaupt nicht, warum ich noch ein Reithalfter dran habe…“. Eben.

Das EdL-Programm schloss an diesem Tag Nicole Weinauge, welche mit Ihrem Pferd wiederum den Ausbildungsansatz der Schule im Ausbildungsring erklärte. Die Zusammenfassung der Messe findet sich auch auf der Seite von Philippe Karl. Seit März 2013 existiert weiterhin „APPEL – Association pour la Promotion de l’Ecole de Légèreté“ („Verein zur Förderung der Schule der Légèreté“). Der Förderverein möchte die Philosophie der Légèreté weiter verbreiten.

Fundstücke

Ich selbst beschränkte mich auf eine Trense für Donna sowie die Bücher Klassische Dressur von Karl, welcher hier seinen Werdegang mit Odin schildert, dem Pferd, welches er schwerpunktmäßig im Cadre Noir ritt. Dann „Schulpferd und Gebrauchspferd“, welches die letzten Ausbildungslehren von Baucher beschreibt. Wenn der CADMOS-Verlag schon eine reduzierte Kiste vorhält und DIES drin liegt…

Das Araber Reit- und Ausbildungszentrum produziert neben Zucht und Ausbildung zarte Lederzäume, welche sich wunderbar an Araberköpfchen präsentieren. Es gibt ja zumeist nur die sportliche Zaumvariante oder die ganz barocke – letztere immer zu heftig für Ponymixgesichter. Handelseinig sind wir uns mangels passender Größe noch nicht geworden, aber sicher schaue ich bei passender Gelegenheit vorbei.

Lustig waren die Postkarten von Hufkratzer, einem Versand von Reitsportausstattung.

Resümee

Wir fahren wieder – ganz klar!

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